14. November 2025

Myofasziale Ketten – Netzwerk im Pferdekörper

Das Konzept der myofaszialen Ketten – also anatomischer Zuglinien, die Muskeln und Faszien zu funktionellen Ganzkörperverbindungen vereinen – wurde wesentlich geprägt durch den amerikanischen Therapeuten Thomas W. Myers, den Begründer des Modells Anatomy Trains. Sein Werk, erstmals 2001 erschienen, fand schnell große Anerkennung in Manueller Therapie, Sportwissenschaft und Medizin. Viele moderne Therapieansätze und wissenschaftliche Studien, die den Körper als zusammenhängendes System betrachten, greifen heute auf seine Beschreibungen zurück.

myofaszialen Ketten Pferd

Für den Pferdekörper wurden die myofaszialen Linien erstmals wissenschaftlich untersucht durch die Forschungsarbeiten der Universität Kopenhagen (Dr. med. vet. Vibeke Sødring Elbrønd & Rikke Mark Schultz, 2014 und 2020). Diese Studien bilden die Grundlage unseres heutigen Verständnisses davon, wie weitreichend Faszien und Muskulatur im Pferd miteinander verbunden sind und wie sie gemeinsam Bewegung ermöglichen.

Was zeichnet eine myofasziale Kette aus?

Eine myofasziale Linie entsteht dort, wo Faszien eine gemeinsame Faserverlaufsrichtung des Kollagens aufweisen. Diese kontinuierliche Struktur spannt sich oft über große Distanzen und verbindet Muskelgruppen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Genau hier offenbart sich der systemische Charakter des Pferdekörpers: Spannung oder Einschränkung an einer Stelle kann sich entlang der Linie auf weit entfernte Bereiche auswirken.

Neue Erkenntnisse – neue Zusammenhänge

Die Erforschung der faszialen Zuglinien beim Pferd hält einige Überraschungen bereit. Viele bekannte muskuläre Funktionsketten erweitern sich deutlich – manche verlaufen sogar ganz anders, als man es früher angenommen hat. Die neuen Erkenntnisse zeigen:

  • Faszien und Muskulatur wirken als durchgängige, dreidimensionale Netzwerke.

  • Bewegung entsteht nicht isoliert in einzelnen Muskeln, sondern aus dem Zusammenspiel ganzer Linien.

  • Einschränkungen in einer Faszienkette können weit entfernte Bereiche beeinflussen – oft unerwartet, aber logisch im Gesamtsystem.

Damit eröffnet die Fasziensystemik im Makromaßstab einen Blick auf den Pferdekörper, der hervorragend zum biotensegralen Verständnis moderner Pferdetherapie passt: Der Körper funktioniert als elastisches, verbundenes Ganzes – Stabilität und Bewegungsfreiheit entstehen aus Spannung, Balance und wechselseitiger Unterstützung aller Strukturen.

Die beiden wichtigsten myofaszialen Linien:

  1. Superficial Dorsal Line (SDL) – die Rückenkette

Die SDL verläuft vom Kopf über Nacken, Hals, Rücken, Kruppe, über die Rückseite der Hinterbeine bis zum Huf. Sie ist die große Streckerkette des Pferdes.

Ihre Aufgabe:
Sie streckt den Hals, den Rücken und die Hüfte. Sie stabilisiert den Rücken und beugt die Gelenke der Hintergliedmaße. Sie ist der Gegenspieler der SVL (Bauchkette). Die SDL ist eine der beiden wichtigsten myofaszialen Ketten, sie ist für eine intensive Integration der Hintergliedmaße und eine aktive Längsausrichtung des Körpers von hinten nach vorne

Typische Probleme bei zu hoher Spannung:
Hyperextension (Überstreckung) von Hals und Wirbelsäule (Senkrücken), Hängebauch

  1. Superficial Ventral Line (SVL) – die Bauch- und Unterseitenkette

Die SVL verläuft vom Unterkiefer über Brust und Bauch über die Vorderseite der Hinterbeine bis zum Huf.

Ihre Aufgabe:
Sie beugt den Hals, den Rücken und die Hüfte. Sie ist der Gegenspieler zur SDL. Beide Ketten treffen sich am Kopf und am Huf.

Typische Probleme bei zu hoher Spannung:
zu starke Beugung von Hals, Rücken und Becken; Schwierigkeit, die Schritte zu verlängern, Kopf hinter der Senkrechten, etc.

Pferdeosteopathin Nina Fröhlig

Termin vereinbaren
Sprechen Sie mich an

Gerne unterstütze ich Sie und Ihr Pferd
bei der Entfaltung seiner Potenziale!

jetzt Kontakt aufnehmen